"No Ice - No Skates - No Problem!" (Slogan des Team Bermudas auf der 6. Weltmeisterschaft in Pittsburgh/USA)
Die Wurzeln der Sportart Ball- oder Streethockey führen ohne großartig
zu verwundern auf Kanada zurück, wo Ende des 19. Jahrhunderts bekanntlich auch
die Wiege des artverwandten Eishockeys stand. Aus diesem Grund ist auch das
Regelwerk der recht jungen Sportart im Prinzip an das des Eishockeys angelegt.
Lediglich in einigen wenigen Punkten, zum Beispiel bei der Abseitsregel, gibt
es kleinere Unterschiede. Spielzeit (Ausnahme internationale Turniere:
Drittellänge 15 statt 20 Minuten) und auch die Schiedsrichterzeichen sind im Vergleich
mit dem Eishockey identisch.
Da Ball- oder Streethockey eigentlich zum Überbrücken der eisfreien Zeit im Sommer ins Leben gerufen wurde, spielt man diesen Sport in der Regel in abgetauten Eisstadien und -hallen auf Turn- statt Schlittschuhen und einem kleinen Ball anstelle des Pucks. Regional können die Spielregeln etwas abweichen. In Europa fanden die ersten Gehversuche auf asphaltierten Straßen oder Parkplätzen statt (daher rührt die hier geläufige Street- oder Straßenhockey). Aufgrund der auftretenden Platznot wurden anstatt der üblichen sechs Spieler (ein Torwart, fünf Feldspieler) Ligen mit vier oder gar nur drei Feldspielern eingeführt und teilweise bis heute vorzugsweise in der Tschechischen Republik und der Slowakei beibehalten.
Anfänge in Kanada
Um 1967 kam es in Kanada zu den ersten organisierten Ballhockeyspielen. Es dauerte nicht sehr lange und die Ballhockeywelle schwappte gen Süden in die Vereinigten Staaten über. Fast 20 Jahre lang jagte man in Nordamerika dem tennisballgroßen Hartplastikball auf den Turnschuhen hinterher, ehe man auch in der alten Welt auf diese Sportart aufmerksam wurde. In den Achtzigern verzeichnete das Streethockey in Österreich und der ehemaligen Tschechoslowakei seine ersten Anfänge. In Deutschland, der Schweiz, Finnland und sogar Japan formierten sich Anfang der Neunzigerjahre die ersten organisierten Verbände.
Den Ursprung des in der Bundesrepublik Deutschland betriebenen unorganisierten Streethockeys (Foto:sechsfacher Nord/Ost-Meister Marzahn Warriors) findet man zu Beginn der Siebzigerjahre in Bayern. Damals nannte man das Spiel mit dem Eishockeystock und dem kleinen Plastikball allerdings noch "Fieseln". Der ehemalige Eishockeyspieler Ulrich Egen, heute Trainer im niederländischen Geelen, fieselte damals in seiner Heimatstadt Füssen und erinnerte sich: "Damals spielten wir auf der Leopoldstraße. Die Autofahrer kannten uns nach einiger Zeit ganz gut und hielten mit etwas Abstand zu unseren Toren. Erst wenn der Spielzug abgeschlossen oder unterbrochen war, räumten wir die Tore an den Fahrbahnrand und die Autos konnten ihren Weg fortsetzen."
Unter dem Dach des Weltverbandes
Heute wird Ball- oder Streethockey in 53 Ländern auf fünf Erdteilen gespielt. Dem 1993 gegründeten Weltverband "International Street & Ball Hockey Federation" (ISBHF) gehören derzeit 36 Nationen an (Stand Sommer 2009). Jüngstes Mitglied ist der Verband der von Hongkong, welcher zusammen mit Finnland auf der 8. Weltmeisterschaft im Juni 2009 in Pilsen erstmals an einem internationalen Championat teilnahm.
Die erste offizielle Weltmeisterschaft unter dem Dach der ISBHF wurde 1996 in Bratislava/Slowakei ausgerichtet. Premierentitelträger wurde Kanada. Die Ahornblätter konnten diesem Titel vier weitere Championate (2001, 2003, 2005; 2007) hinzufügen; je einmal waren bisher die Tschechische Republik (1998) und die Slowakei (1999) erfolgreich. An der jüngsten WM in Tschechien nahmen 16 Nationen, unterteilt in A- und B-Pool, teil.
Vancouver erster Frauenweltmeister
Mittlerweile ist ähnlich wie beim Eishockey die Sportart Ball- und Streethockey keine reine Männerdomäne mehr. Vor allem in Nordamerika finden immer mehr Frauen und Mädchen Gefallen an dem rasanten Sport, der sich längst zur Ganzjahressportart entwickelt hat. Auch in Europa, hier vor allem in der Slowakei und der Schweiz, bildeten sich in jüngster Vergangenheit die ersten Frauenteams. Dominierend sind jedoch noch die kanadischen Spielerinnen. Beim ersten World Cup, der im Juni 2005 parallel zur Männer-WM (Foto: Finalreferees Marco Friedli und Darsh Grewall) in Pittsburg stattfand, eroberten die drei ins Rennen gegangenen Mannschaften der CBHA alle Medaillen. Erster inoffizieller Frauenweltmeister sind die Vancouver Sharks. Im ersten reinen Nationalmannschaftsturnier in Jahr später in Martin/Slowakei triumphierte das Team des Gastgebers klar. Im Finale besiegten die Slowakinnen das Team Canada deutlich mit 3:1. 2007 in Ratingen konnten die Nordamerikanerinnen beim 2:0-Endspielsieg erfolgreich Revanche nehmen.
My way...
Mein Weg führte mich 1993 zum ersten Mal mit dem Ballhockey zusammen, als mich Freunde vom Eishockey mit der in meiner Heimatstadt Berlin bis dato unbedeutenden Sportart bekannt machten. 1994 gründete sich der Berliner Streethockey Verband (1998 in Berliner Streethockey Abteilung umbenannt), dem ich als Vorstand angehörte. Von ihren Anfängen an bin ich in der Berliner Liga (erst Stadtliga, heute 1. Liga Nord Ost) als Schiedsrichter aktiv und bekleide seit 1996 mit einem Jahr Unterbrechung (2000) das Amt des Schiedsrichterobmanns der BSA. Im Jahr 2000 absolvierte ich mit Erfolg den Lehrgang der ISBHF in Bad Wörishofen und war seitdem bis zu meinem Abschied vom aktiven Sport im Sommer 2006 auch international im Einsatz. Höhepunkt meiner Karriere war neben der Spielleitung zweier Europacupendspiele 2000 und 2003 meine Teilnahme an der Weltmeisterschaft (im Finale als Torrichter im Einsatz) sowie des Womens World Cup in Pittsburgh im Juni 2005. Im Sommer 2009 kehrte ich auf regionaler Ebene vorrübergehend auf den Platz zurück.

WM 2005: Vor der Skyline von Pittsburgh
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